TAPAS-Bar

 la cerveza

La cerveza - Bierkultur in Spanien

“Das Bier gegen den Durst und den Wein für den Genuss” ist in Spanien usus. Deshalb verwundert es nicht, wenn der Wirt gleich von beidem ein Glas an den Tisch bringt. Bereits zum Almuerzo des spanischen Znüni gehören die beiden Getränke zur hiesigen Kultur. Zusammen mit dem Bocadillo, dem spanischen Sandwich, ergibt das für die insbesondere körperlich arbeitende Bevölkerung eine gute Grundlage und genügend Energie bis zum Mittagessen. Getrunken wird es vorwiegend in der kleinen 2.5 dl-Flasche oder in einer Caña (Cannia ausgesprochen), dem offenen Bier.

Mitte des 19. Jahrhunderts kam Casimiro Mahou (1828-1875) aus dem französischen Lothringen nach Madrid mit dem erklärten Ziel, den hiesigen Biermarkt aufzubauen und es in Spanien einzuführen. Zu Beginn fehlten ihm die benötigten Investitionen für die Bierproduktion. Als innovativer Unternehmer gründete er erst eine Fabrik für Tapeten und Leinwände für die Herstellung von Ölgemälden. Leider starb Casimiro, bevor er seinen Traum der Herstellung von spanischem Bier verwirklichen konnte.

Seine Söhne und seine Witwe setzen des Vaters Lebenswerk fort. Die Bierproduktion konnte 1890 aufgenommen und im Folgejahr die ersten Flaschen abgefüllt und etikettiert werden. So eroberte das erste spanische Bier mit dem Familiennamen Mahou das Land. 1897 erhielt Mahou in Brüssel die internationale Goldmedaille für seine hohe Bierqualität. Ungefähr zur gleichen Zeit versuchten sich einige Spanier im Aussenbezirk San Miguel der philippinischen Hauptstadt Manila ebenfalls mit der Bierbraukunst und gründeten die erste Bierbrauerei in Südostasien. 1940 kam San Miguel nach Spanien.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden weitere bekannte Biermarken wie das Cruzcampo in Sevilla, das Alhambra-Bier in Granada, benannt nach der gleichnamigen, berühmten Burg und das Amstel Bier. “Peregrina” heisst jenes Bier, das den Pilgern auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela angeboten wird. Während des Bürgerkriegs und seinen Folgejahren hatte es die Bierproduktion in Spanien sehr schwer. Die Entbehrungen waren gross. Um der Bevölkerung das Bier gleichwohl zu ermöglichen, wurden die Qualitätskriterien für die Herstellung gelockert, und es entstanden Biere aus Reis als Getreidebasis.

Heute sind, wie im übrigen Europa, die meisten Biermarken in internationale Konzerne eingebunden. Ausnahme ist neben einigen kleinen und lokalen Bieren das nordische Estrella-Galicia-Bier. Dieses blieb seit seiner Gründung im Jahr 1906 eigenständig und unabhängig. Die Bezeichnung “Cerveza” für das spanische Bier ist vermutlich aus dem Wort “cereales” - Getreide entstanden und bedeutet “das Getränk aus Getreide”.

Gut zu wissen

In den letzten Jahren ist in Spanien der tägliche Weinkonsum zu Gunsten des Biers zurückgegangen. Deshalb finden auch importierte Biere ihre Gäste und Kunden, dies vor allem in den Grossstädten und in den Tourismus Regionen. In Zentralspanien wird an der Bar nach wie vor das einheimische cerveza ausgeschenkt. Und nun: “Salud” - heisst auf Deutsch “Prost”.